Eine Performance von Peter Brandlmayr und Gerald Freimuth im bb15 (Linz);
In der „Abhandlung über die Methode, seine Vernunft gut zu gebrauchen und die (rationale) Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen“ versuchte Descartes den allgemeinen Zweifel, den er am überlieferten Wissen und der menschlichen Urteilskraft verwirklicht sieht, zu überwinden. Er möchte unwiderrufbar wahre Sätze formulieren, auf denen endlich ein souveränes, gesichertes Wissen aufgebaut werden kann. Wahre Erkenntnisse und Gewissheit müssen mehr als nur zweifelhaft sein. Dass dies prinzipiell eine Gegebenheit und Möglichkeit ist, wird, so Descartes, daran offensichtlich, dass der Mensch durchaus eine Vorstellung von Vollkommenheit kennt. Dies gilt ihm als Beleg und als erste Bedingung einer wahren Erkenntnisbasis, wobei er dabei immer auch die Möglichkeit eines Irrtums einräumen muss. Dennoch ist Descartes zuversichtlich, eine gesicherte Basis des Wissen ausmachen zu können, denn in einer einzigen unter all den Wissenschaften zeichnet man sich im Hinblick auf die Geltungsbereiche als einig, nämlich die Mathematik. Bestimmt man Naturphänomene durch mathematische Modellierung und mit Hilfe allgemeiner Regeln, nach Regeln „die nach Vermessung (…), durch schrittweise Berechnung und zwingende Schlüsse auf den Einzelfall angewendet werden,“ (Wikipedia unter: Discours de la mèthode) dann kann man ein vollständiges, gesichertes und allgemein nachvollziehbares Wissen aufzubauen. Man muss in Anbetracht der komplexen Gegebenheiten die Fragestellungen nur in einfach beantwortbare, mathematisch logische Teilfragen zerlegen und diese Antworten rational und logisch in Bezug zueinander setzen.
Die prinzipielle Möglichkeit von Irrtum und Täuschung hat Descartes damit aber nicht beseitigt, denn die Annahmen, die seiner Methode unterliegen, sind von einem Wesen formuliert, das für sich keine Unfehlbarkeit in Anspruch nehmen kann.
In der Performance „Discours de la Mèthode oder Der Lauf dessen, was ist“ gehen Peter Brandlmayr und Gerald Freimuth der relativ instabilen Natur von Erkennen und Seins nach. Die widersprüchliche, diskursive Konstitution dessen, was ist, baut eben darauf, als ein bezüglicher Teil von Ganzheiten immer auf sich selbst und anderes zurückgeworfen zu sein, und also auf das, was Descartes in Bezug auf sich und seines gleichen mit den Worten, ich denke (zweifle), also bin ich, formuliert.
Die konkrete Versuchsanordnung besteht aus einem Tisch, dessen Schublade zu zwei gegenüberliegenden Seiten hin zu öffnen ist. Die sich gegenüber bei Tisch sitzenden Akteure befüllen vor der Performance jeweils ihre Schubladenhälften , und zwar so, dass der Mitakteur über deren Inhalt nicht Bescheid weiß. Die Performance „Discours de la mèthode oder Der Lauf dessen, was ist“ besteht nun in einem Schlagabtausch, in dem die beiden Akteure sich abwechselnd gegenseitig mit Situationen konfrontieren, die das Gegenüber zu einer spontanen, spielerischen Reaktion herausfordern.




















