Ein Projekt von Peter Brandlmayr& Gerald Freimuth
Ein kurzes Statement über die Geschichte derjenigen Figur, die in dieser Ausstellung zum Prinzip erklärt wird:
Historisch kommt diese aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, genauer aus dem Theaterstück König Ubu. Sie hat ihre Wurzeln in einer zynischen Verspottung eines Physiklehrers, mit dem der Autor Alfred Jarry in Jugendjahren konfrontiert war. Ubu, der erste Pataphysiker, erscheint dabei als eine überaus dreiste Figur, die vollends dem eigenen Belieben und Wollen unterworfen nimmt, mordet, leibt und lebt – im Grunde also ein Egoist par excellence.
Nun versuchen wir in der Ausstellung dieses dreiste Bild von einem absolut egoistischen Menschen etwas zu relativieren. Der Mensch vermag sich eben nicht, wie der Autor des Theaterstücks propagiert, vollends aus der Welt herauszuschälen, vollends zu ent-wickeln. Wir sind stets auf ein Gegenüber, sei es nun ein Mensch oder etwas anderes, angewiesen. In diesem Sinne zeigt sich Ubu in unserer Ausstellung nicht in Perfektion, als absoluter Herrscher, der vollends nach freiem Willen über die Welt verfügen kann, der alles unter Kontrolle hat, sondern als ein relativ unsouveräner Souverän, als eine clowneske Figur. Wir kommen eben nicht umhin, immer auch über unsere eigenen Füße zu stolpern, gleichwie über die von anderen.
Nun, auch wenn einem klassisch ein solch stolpernd-holperndes Bild vom Menschen durchwegs als tragisch erscheint, behaupten wir, dass weder Mensch noch Welt dazu existieren, um an der eigenen Endlichkeit zu verzweifeln. Man möge doch den Fokus auf die eigene Begrenztheit etwas aufweichen und über die eigenen Grenzen hinweg auf all das andere Existente blicken, gleichwie auf die eigene Unfassbarkeit, und anerkennen, dass Endlichkeit weit mehr ist als bloß Endlichkeit.
Die Welt ist eben eine relativ bunte, tragisch komische Geschichte, und also eine relativ verwickelt entwickelte Sprachverwirrung.





Ubu im Prinzip (Film, Brandlmayr/Freimuth, 2020)
