Die Hantologie (gebildet aus griechisch ὀντολογία ontología (16. Jahrhundert, altgriechisch ὄν ón ‚seiend‘ bzw. altgriechisch τὸ ὄν ‚das Sein‘ und λόγος lógos ‚Lehre‘, also ‚Lehre vom Seienden‘ bzw. ‚Lehre des Seins‘) und französisch hanter, ‚heimsuchen, spuken‘) ist eine Disziplin der (theoretischen) Philosophie, die sich mit der Einteilung des Seienden und den Grundstrukturen der Wirklichkeit befasst. Sie geht im Gegensatz zur klassischen Ontologie von einem spektralen, prekären und relativ paradoxen Wesens- und Logikbegriff aus.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Begriff und Begriffsgeschichte
- 2 Grundfragen und methodische Ansätze
- 2.1 Derrida
- 2.2 Brandlmayr
- 3 Hantologie und Hauntology
- 5 Literatur
- 6 Weblinks
Begriff und Begriffsgeschichte
Der Ausdruck Hantologie tritt erstmals 1993 im Buch „Marx´ Gespenster“ auf, in dem Jaques Derrida eine Phänomenologie des Gespensts beziehungsweise des Gespenstigen darzulegen sucht. In Opposition zu klassischen Vorstellungen stellt er darin fest, dass alle Kategorien und Begriffe, gleichwie all das, was ist, zum Schwellenhaften, Uneindeutigen, Spektralen gehört.[1] In diesem Sinne kann alles, inklusive der Wissenschaft vom Sein, der Ontologie, immer nur prekär, performativ und mehrdeutig auftreten.[2] Derrida verpackt dies in einem Wortspiel, in dem er der Ontologie die Hantologie zur Seite setzt. Die Worte Ontologie und Hantologie klingen im Französischen ausgesprochen beinahe ident, ohne das Gleiche zu meinen. Mit dem Begriff Hantologie, versucht Derrida darauf hinzuweisen, dass all das, mit dem man umgeht, spektral ist. Dementsprechend versucht Derrida den Begriff „Hantologie“ in Schwebe zu lassen.[3]
2015 wird der Begriff von Peter Brandlmayr aufgegriffen. Er geht davon aus, dass das Gespenstige durchaus nicht nur im Diffusen liegt. In den Büchern „Ivo und die Pataphysik“, „Der relativ unsouveräne Souverän“, „Die relative Kunst der Unfuge“ und „Unterwegs-Anfang und Ende“ denkt er konkret über eine hantologische Erkenntnistheorie, Ethik und Ästhetik nach, sowie über den letzten Grund in einem hantologischen Sinne.[4]
Grundfragen und methodische Ansätze
Derrida
„Die phänomenale Form der Welt ist selbst gespenstig,“[5] schreibt Derrida im Buch „Marx´ Gespenster“, „das phänomenologische Ego (Ich, Du usw.) ist ein Gespenst.“[6] Nichts ist fixierbar, alles, womit wir es zu tun haben, ja mit dem wir umgehen, ist spektral, vieldeutig, zu deuten.[7] Derrida unterstellt der Welt und allem, was in ihr ist, ein spektrales, schwellenhaft schwebendes Sein. Alles greift immer schon über sich selbst hinaus, ist uneins mit sich.[8] Das Medium der Medien spukt, so Derrida.[9] „Es untersteht nicht der Ontologie, dem Diskurs über das Sein des Seienden, oder über das Wesen des Lebens oder des Todes. Es erfordert (…) Hantologie, eine Kategorie“, die Derrida für irreduzibel hält.[10] Es geht darum, das Gespenst und das Gespenstige ernst zu nehmen, „die Möglichkeit des Gespensts zu denken“ und es „als Möglichkeit zu denken.“[11] Dies erfordert unter anderem auch eine Überwindung des Denkens in klassisch zweiwertig ausschließender Logik.[12] Gefragt ist eine Logik „jenseits der Opposition von Präsenz und Nicht-Präsenz, Faktizität und Nicht-Faktizität, Leben und Nicht-Leben.“[13] Man sollte, so Derrida, „in der gemeinsamen Wanderschaft, im umgangslosen Umgang mit den Gespenstern“[14] leben, anstatt sie weiter in klassisch ontologischer Manier austreiben zu suchen.[15]
Dass die Hantologie, „diese Logik der Heimsuchung“,[16] nach Derrida, „nicht umfassender und machtvoller“[17] ist, als eine (andere) Lehre vom Sein, liegt auf der Hand.[18] Auch die Hantologie kann mit sich selbst nicht komplett im Reinen sein.[19]
Brandlmayr
Versucht Jaques Derrida die Hantologie möglichst „in Schwebe“ zu belassen,[20] im Vagen, sucht Peter Brandlmayr sie konkret zu fassen. Wie Derrida geht er davon aus, dass alles, was ist, spektral ist. Alles Existierende stellt einen Schwellenzustand dar. Alles, was ist, ist relativ per-formativ,[21] das heißt, während der Bildung, in Verwandlung begriffen, umgehend. Alles, was ist, ist eine Vorläufigkeit und Nachläufigkeit. Alles, was ist, ist uneindeutig und also relativ vieldeutig.
Alles ist im Zustand des Dazwischen. Es zeigt sich, als auf sich selbst und anderes bezogen. Dieser Zustand entspricht dem der Relation. Alles Existente ist relativ, steht in Beziehung zu sich selbst und anderem. Aus dieser Sichtweise erscheinen alle Wesen, samt Welt, als ein komplexes Geflecht von Wiedergängigem, ohne Möglichkeit exakter Wiederholung.[22] Dahinter steht das Bild eines rhizomatischen, fraktalen und performativen Zusammenhangs, in dem die Dinge miteinander in Verbindung stehen und dennoch zugleich auch voneinander getrennt sind. Die Erfahrungen eines ausschließlichen Getrennt-Seins oder eines ausschließlichen Ganz-Seins, sind einem hantologischen Wesen ebenso unmöglich und unzugänglich, wie alles andere Reine, abseits des Relativen. Die Existenz formiert sich im gegenseitigen Feststellen, im gegenseitigen Beurteilen. Die Existenz kann in einem interaktiven System ebenso wenig für sich alleine existieren wie eine Umgebung für sich.
Jedes System ist in einem solchen Setting Teil von Metasystemen und aus Subsystemen aufgebaut. Sowohl gegen innen hin als auch gegen außen hin ist ein Seiendes mit einem relativ grundlosen Grund konfrontiert. Dieser ist aufgrund der Bezüglichkeit der Wesen zueinander relativ ergründbar und bespielbar. Jedes andere kann in einem solchen Zusammenhang immer nur ein relativ anderes sein, d.h. ein relativ Ähnliches (und Fremdes).
Die Grundstruktur des hantologischen Wesens
In Bezug auf den hantologisch existenziellen Zustand der Schwebe, ist insbesondere die Dynamik zwischen der Suche nach Erlösung bzw. Eindeutigkeit und der tatsächlichen Unerreichbarkeit einer solchen von Bedeutung. Diese Dynamik hält das Existente im Zwischenraum. Der Versuch, den Zustand der Schwebe in Richtung auf etwas Entschiedenes, Feststehendes und Vertrauenswürdiges hin zu drängen, führt zum Urteil, zur Entscheidung und damit neuerlich zu etwas, das letzten Endes prekär ist.[23]„Die Uneinigkeit mit sich selbst (bedingt) stets die Heimsuchung.“[24]
Ein relatives und permanentes Sich-Selbst-Be-und-Enthaupten ist eine Notwendigkeit, um in einem hantologischen Gesamtsystem als Existenz in Erscheinung treten und handeln zu können.[25] Nur so kann ein relatives System in einem veränderlichen (nicht-letztbegründbaren) Gefüge sich selbst als Relatives und Paradoxes absichern und erhalten, auf sich selbst und seine Kategorien und Urteile relativ vertrauen. Das Ex-istieren (das Hervor-treten), das Sein ist eine Form eines komplexen Urteilens, eines komplexen Ent-Scheidens. Sein heißt, eine spezifische, relative Position zu beziehen.
Ein entsprechendes evolutiv performatives System beruht auf den Axiomen A Ո AC ≠ Ø (d.h. es muss einen paradoxen Rand geben) und A ᴜ AC ≠ ØC (d.h. die Vereinigung von A mit AC ist nicht „Alles“). Es baut auf der logischen Grundstruktur:

Nachdem alles, was ist, uneins mit sich, spektral ist, spannt sich der logische Bereich zwischen den Punkten A, AC und (A ᴜ AC)C auf, ohne diese Punkte selbst zu enthalten. Die hantologische Logik ist eine prekäre, eine des „Dazwischen“, eine der Schwebe. Die hantologische Logik ist eine relativistische. In diesem Sinne kann der Bereich des Hantologischen, des hantologisch Existenten als ein absolut relativer, performativer verstanden werden, als eine Schwelle zwischen einem projektiv und relativ erschlossenem absolut formlosen Zustand auf der einen Seite und einem projektiv und relativ erschlossenem absolut formhaften auf der anderen.
Im hantologischen Bereich kann selbst das Absolute immer nur relativ verfasst sein. Hantologische Wesen können mithin nur relativ informiert sein. Mit jeder Operation geht in einem solchen Setting ein Unbeobachtetes einher, [26] wodurch dem Hantologischen ein relativ sympoietisches Moment immanent ist. Ein hantologisches System ist stets im relativ autokatalytischen Prozess der Bildung, der Poiesis begriffen. Dabei ist eine Existenz nicht nur Teil eines performativ vernetzten und komplex verfassten, poetischen Zusammenhangs, sondern stellt selbst einen solchen dar.
Hantologie und Hauntology
In den 2000er Jahren wurde der Begriff „Hantologie“ von der Kulturwissenschaft in englischer Übersetzung aufgegriffen. Britische Autoren, wie Simon Reynolds und Mark Fisher, übertrugen ihn auf die Popkultur. Unter dem Begriff „Hauntology“ versuchen sie, die schillernden Klänge von Elektro-Formationen wie „Burial“ oder den Sound des Ghost-Box-Labels sowie die zunehmende Retroästhetik in der Popmusik zu erklären. Fisher und Reynolds orten darin Äußerungen von unheimlichen, verdrängten Phänomenen. Wogegen Derrida mit dem Begriff „Hantologie“ prinzipiell alles Seiende als spukhaft begreift,[27] zeigt sich der Begriff „Hauntology“ im Speziellen auf unterdrückte Heimsuchungen aus dem kulturellen Gedächtnis bezogen. Der Begriff „Hauntology“ ist von Melancholie, Last, Depression, Unfreiheit, Resignation, Trauer und vom Unheimlichen geprägt. Er bezieht sich damit stark auf eine klassisch ontologische Lesart des Gespenstigen, anstatt eine solche im Hinblick auf eine allgemein gespenstige Lehre vom Seienden, eine hantologische, zu überwinden.
Seit 2019 wird der Begriff „Hauntology“ auch in der Ethnografie, Archäologie und psychologischen Anthropologie verwendet. Im Jahr 2019 widmete „Ethos“, die Zeitschrift der „Society for Psychological Anthropology“, der „Hauntology“ eine ganze Ausgabe mit dem Titel „Hauntology in Psychological Anthropology“. Seitdem sind zahlreiche Bücher und Zeitschriftenartikel zu diesem Thema erschienen. In einem Buch mit dem Titel „The Hauntology of Everyday Life“ behauptet der psychologische Anthropologe Sadeq Rahimi, dass „die Erfahrung des Alltagslebens um einen Prozess herum aufgebaut ist, den wir als hauntogen bezeichnen können und dessen wichtigstes Nebenprodukt ein stetiger Strom von Geistern ist“[28]. Justin Armstrong schlägt eine „spektrale Ethnographie“ vor, die „über die Grenzen der tatsächlich gesprochenen Sprache und des direkten menschlichen Kontakts hinaus auf das Zusammenspiel von Raum, Ort, Objekten und Zeitlichkeit blickt.“[29] Auch hier gilt, dass der Begriff „Hauntology“, im Gegensatz zu dem der „Hantologie“, in erster Linie auf eine Auseinandersetzung mit Heimsuchungen aus der Vergangenheit und auf klassische Vorstellungen vom Gespenst bezogen ist. [30]
Literatur
Brandlmayr, Peter: Ivo und die Pataphysik. Skizze einer hantologisch pataphysikalischen Erkenntnistheorie, Ästhetik und Ethik. Buchschmiede 2022;
Brandlmayr, Peter: Unterwegs – Anfang und Ende. Buchschmiede 2022;
Brandlmayr, Peter: Der relativ unsouveräne Souverän. Der Versuch zu einer hantologischen Ethik. Buchschmiede 2023;
Brandlmayr, Peter: Die relative Kunst der Unfuge. Der Versuch einer hantologischen Ästhetik. Buchschmiede 2023;
Derrida, Jacques (2004): Marx’ Gespenster. Der Staat der Schuld, die Trauerarbeit und die neue Internationale.- Frankfurt am Main: Suhrkamp 2004
Sternad,Christian: „Das Gespenst und seine Spektralität. Die hermeneutische Funktion des Gespensts, oder: eine phänomenologische Hantologie“.- http://www.academia.edu/4896943/ Das_Gespenst_und_seine_Spektralit%C3%A4t._Die_hermeneutische_Funktion_des_Gespensts_oder_eine_ph%C3%A4nomenologische_Hantologie
Weblinks
Sternad, Christian: „Das Gespenst und seine Spektralität. Die hermeneutische Funktion des Gespensts, oder: eine phänomenologische Hantologie“ http://www.academia.edu/4896943/ Das_Gespenst_und_seine_Spektralit%C3%A4t._Die_hermeneutische_Funktion_des_Gespensts_oder_eine_ph%C3%A4nomenologische_Hantologie
https://en.wikipedia.org/wiki/Hauntology
https://en.wikipedia.org/wiki/Hauntology_(music)
[1] „Die phänomenale Form der Welt ist selbst gespenstig. (…) Das phänomenologische Ego (Ich, Du usw.) ist ein Gespenst.“ (Derrida 2004, S. 185); „Spuken heißt nicht gegenwärtig sein, und man muß den Spuk schon in die Konstruktion eines Begriffes aufnehmen. In der Konstruktion jedes Begriffes, angefangen bei den Begriffen Sein und Zeit. Das ist es, was wir hier Hantologie nennen möchten.“ (Derrida 2004, S. 219) Das Medium der Medien ist weder lebendig noch tot, „(…) weder anwesend noch abwesend: Es spukt. Es untersteht nicht der Ontologie, dem Diskurs über das Sein des Seienden, oder über das Wesen des Lebens oder des Todes. Es erfordert (…) Hantologie (…), eine Kategorie, die wir für irreduzibel halten (…) auf all das, was durch sie erst möglich wird: die Ontologie, die Theologie (…).“ (Derrida 2004, S. 77)
[2] „Spuken heißt nicht gegenwärtig sein, und man muß den Spuk schon in die Konstruktion eines Begriffes aufnehmen. In der Konstruktion jedes Begriffes, angefangen bei den Begriffen Sein und Zeit. Das ist es, was wir hier Hantologie nennen möchten. Die Ontologie stellt sich ihr nur in einer Bewegung des Exorzismus gegenüber. Die Ontologie ist eine Beschwörung.“ (Derrida 2004, S. 219f)
[3] Der Begriff tritt im Buch „Marx´ Gespenster“ nur drei Mal auf: „Jedes Mal ist ein erstes Mal ein letztes Mal, das ist das Ereignis selbst. Jedes Mal anders. Inszenierung für ein Ende der Geschichte. Nennen wir das eine Hantologie. Diese Logik der Heimsuchung wäre nicht nur umfassender und machtvoller als eine Ontologie oder ein Denken des Seins (…). Sie würde selbst der Eschatologie und Teleologie Unterschlupf gewähren (…). Sie würde sie in sich begreifen, aber auf unbegreifliche Weise.“ (Derrida 2004, S. 25); Das Medium der Medien ist weder lebendig noch tot, „(…) weder anwesend noch abwesend: Es spukt. Es untersteht nicht der Ontologie, dem Diskurs über das Sein des Seienden, oder über das Wesen des Lebens oder des Todes. Es erfordert (…) Hantologie (…), eine Kategorie, die wir für irreduzibel halten (…) auf all das, was durch sie erst möglich wird: die Ontologie, die Theologie (…).“ (Derrida 2004, S. 77); „Spuken heißt nicht gegenwärtig sein, und man muß den Spuk schon in die Konstruktion eines Begriffes aufnehmen. In der Konstruktion jedes Begriffes, angefangen bei den Begriffen Sein und Zeit. Das ist es, was wir hier Hantologie nennen möchten. Die Ontologie stellt sich ihr nur in einer Bewegung des Exorzismus gegenüber. Die Ontologie ist eine Beschwörung.“ (Derrida 2004, S. 219f);
[4] Brandlmayr, 2022: „Ivo und die Pataphysik. Skizze einer hantologisch pataphysikalsichen Erkenntnistheorie, Ästhetik und Ethik.“; Brandlmayr, 2022: „Unterwegs – Anfang und Ende.“; Brandlmayr, 2023: „Der relativ unsouveräne Souverän. Der Versuch zu einer hantologischen Ethik.“; Brandlmayr, 2023: „Die relative Kunst der Unfuge. Der Versuch einer hantologischen Ästhetik.“;
[5] Derrida 2004, S. 185
[6] Derrida 2004, S. 185
[7] „Das Subjekt, das heimsucht, ist nicht fixierbar, keinerlei Gestalt ist sichtbar, lokalisierbar, fixierbar, man kann zwischen Halluzination und Wahrheit nicht unterscheiden, alles, was es gibt, sind Standortwechsel, man fühlt sich angeschaut von dem, was man nicht sieht.“ (Derrida 2004, S. 186); „Spuken heißt nicht gegenwärtig sein, und man muss den Spuk schon in die Konstruktion eines Begriffes aufnehmen. In der Konstruktion jedes Begriffes, angefangen bei den Begriffen Sein und Zeit. Das ist es, was wir hier Hantologie nennen möchten. Die Ontologie stellt sich ihr nur in einer Bewegung des Exorzismus gegenüber. Die Ontologie ist eine Beschwörung.“ (Derrida 2004, S. 219f); „dass die Figur des Spuks keine Figur unter anderen ist. Vielleicht ist sie die Figur, die hinter allen Figuren steckt.“ (Derrida 2004, S. 166)
[8] „Alles nimmt seinen Anfang vor dem Anfang.“ (Derrida 2004, S. 220); „Das eigene eines Gespensts (…) besteht darin, dass man nicht weiß, ob es, wiederkehrend, von einem ehemals Lebendigen zeugt, denn der Wiedergänger kann bereits die Wiederkehr des Gespenstes eines verheißenen Lebendigen bedeuten.“ (Derrida 2004, S. 139)
[9] „Das Medium der Medien“ ist weder lebendig noch tot, „(…) weder anwesend noch abwesend: Es spukt. Es untersteht nicht der Ontologie, dem Diskurs über das Sein des Seienden, oder über das Wesen des Lebens oder des Todes. Es erfordert (…) Hantologie (…), eine Kategorie, die wir für irreduzibel halten (…) auf all das, was durch sie erst möglich wird: die Ontologie, die Theologie (…).“ (Derrida 2004, S. 77);
[10] Derrida 2004, S. 77
[11] Derrida 2004, S. 28; „Dieser andere wäre endlich in der Lage, jenseits der Opposition von Präsenz und Nicht-Präsenz, Faktizität und Nicht-Faktizität, Leben und Nicht-Leben, die Möglichkeit des Gespensts zu denken, das Gespenst als Möglichkeit zu denken. (…) er verstünde das Wort an die Geister zu richten.“ (Derrida 2004, S. 28) Ein solches Denken wäre nicht das Denken im Rahmen der Ontologie, sondern, so Derrida, das im Rahmen einer sogenannten Hantologie. Das Wesen ist hier „(…) weder anwesend noch abwesend: Es spukt. Es untersteht nicht der Ontologie, dem Diskurs über das Sein des Seienden, oder über das Wesen des Lebens oder des Todes. Es erfordert (…) Hantologie (…), eine Kategorie, die wir für irreduzibel halten (…) auf all das, was durch sie erst möglich wird: die Ontologie, die Theologie (…).“ (Derrida 2004, S. 77) Das Gespenst untersteht eben nicht „der Ontologie, dem Diskurs über das Sein des Seienden, oder über das Wesen des Lebens oder des Todes.“ (Derrida, Jacques: Marx‘ Gespenster – Der verschuldete Staat, die Trauerarbeit und die neue Internationale.- suhrkamptaschenbuch wissenschaft 1659, 4. Auflage 2004, S. 77)
[12] „Diese Ereignishaftigkeit ist es, die es zu denken gilt (…). Und man wird sie nicht denken können, solange man auf die einfache (…) Opposition zwischen der realen Präsenz der realen Gegenwart oder der lebendigen Gegenwart und ihrem gespenstigen Simulakrum vertraut, auf die Opposition zwischen Wirklichem und Nichtwirklichem, und das heißt auch; solange man auf eine allgemeine Zeitlichkeit oder auf eine historische Zeitlichkeit vertraut, die aus einer sukzessiven Verkettung mit sich selbst identischer und mit sich selbst gleichzeitiger Gegenwarten besteht.“ (Derrida 2004, S. 103); Die Logik des Gespensts (…), ein Denken, das (….) eine binäre oder dialektische Logik notwendig überschreitet.“ (Derrida 2004, S. 93)
[13] Derrida 2004, S. 28
[14] Derrida 2004, S. 10
[15] „Die Ontologie stellt sich ihr (der Hantologie) nur in einer Bewegung des Exorzismus gegenüber. Die Ontologie ist eine Beschwörung.“ (Derrida 2004, S. 219f) „Das Gespenst ist sozial. (….) Überall dieselbe Zeremonie: eine Séance um den Tisch.“ (Derrida 2004, S. 207) „Sie sind zahllos, diese Tische, in der Philosophie, in der Rhetorik und in der Poetik, von Platon bis Heidegger, von Kant bis Ponge und vielen anderen.“ (Derrida 2004, S. 207)
[16] Derrida 2004, S. 77
[17] Derrida 2004, S. 77
[18] „denn wir wetten (…), dass das Denken niemals mit dem Beschwörungstrieb zu Ende kommt (oder) (…) aus ihm geboren (wird).“ (Derrida 2004, S. 224f)
[19] „Jedes Mal ist ein erstes Mal ein letztes Mal, das ist das Ereignis selbst. Jedes Mal anders. Inszenierung für ein Ende der Geschichte. Nennen wir das eine Hantologie. Diese Logik der Heimsuchung wäre nicht nur umfassender und machtvoller als eine Ontologie oder ein Denken des Seins (…). Sie würde selbst der Eschatologie und Teleologie Unterschlupf gewähren (…). Sie würde sie in sich begreifen, aber auf unbegreifliche Weise.“ (Derrida 2004, S. 25);
[20] Derrida 2004, S. 225; Der Begriff tritt im Buch Marx´ Gespenster nur drei Mal auf: „Jedes Mal ist ein erstes Mal ein letztes Mal, das ist das Ereignis selbst. Jedes Mal anders. Inszenierung für ein Ende der Geschichte. Nennen wir das eine Hantologie. Diese Logik der Heimsuchung wäre nicht nur umfassender und machtvoller als eine Ontologie oder ein Denken des Seins (…). Sie würde selbst der Eschatologie und Teleologie Unterschlupf gewähren (…). Sie würde sie in sich begreifen, aber auf unbegreifliche Weise.“ (Derrida 2004, S. 25); Das Medium der Medien ist weder lebendig noch tot, „(…) weder anwesend noch abwesend: Es spukt. Es untersteht nicht der Ontologie, dem Diskurs über das Sein des Seienden, oder über das Wesen des Lebens oder des Todes. Es erfordert (…) Hantologie (…), eine Kategorie, die wir für irreduzibel halten (…) auf all das, was durch sie erst möglich wird: die Ontologie, die Theologie (…).“ (Derrida 2004, S. 77); „Spuken heißt nicht gegenwärtig sein, und man muß den Spuk schon in die Konstruktion eines Begriffes aufnehmen. In der Konstruktion jedes Begriffes, angefangen bei den Begriffen Sein und Zeit. Das ist es, was wir hier Hantologie nennen möchten. Die Ontologie stellt sich ihr nur in einer Bewegung des Exorzismus gegenüber. Die Ontologie ist eine Beschwörung.“ (Derrida 2004, S. 219f);
[21] „Eine Interpretation, die das, was sie interpretiert, verändert – das ist eine Definition des Performativen.“ (Derrida 2004, S. 77); „(…) dass das Denken niemals mit dem Beschwörungstrieb zu Ende kommt. Es wird vielmehr aus ihm geboren.“ (Derrida 2004, S. 225)
[22] Das Unverfügte ist ohne Deckung mit sich, das Gespenst ist spektral. (vergl. Derrida 2004, S. 50)
[23]„In jeder Figur der Begründung, der Behauptung, der Legitimation, der Rekurrenz liegt nicht nur der Versuch etwas zu entscheiden, zu ur-teilen, sondern zugleich auch die Unmöglichkeit derselben beschlossen. Gerade in diesem Schwellenbereich nisten sich die Gespenster ein und warten auf ihren Moment, um das Kettengerassel von neuem zu beginnen.“ (Christian Sternad: „Das Gespenst und seine Spektralität. Die hermeneutische Funktion des Gespensts, oder: eine phänomenologische Hantologie“); Der Drang nach Auf- und Erlösung, der nicht ruhen lässt, ist ein wesentlicher Zug des Gespenstigen bzw. Existenten.
[24] Christian Sternad: „Das Gespenst und seine Spektralität. Die hermeneutische Funktion des Gespensts, oder: eine phänomenologische Hantologie“;
[25] Erkenntnisse müssen in einem solchen Setting ebenso behauptet und strategisch gestützt werden, wie erkennende Subjekte.
[26] „Das heißt (…), dass jede Operation etwas Unbeobachtbares produziert,“ und „dass wir es nicht mit Prinzipien, mit Anfängen oder mit festen Gesetzen in den Zusammenhängen der Welt zu tun haben, sondern dass alles, was wir beschreiben, bezeichnen, beobachten und worüber wir uns verständigen, worüber wir kommunizieren, immer den Horizont von“ einem unbeobachtbaren Moment miteinschließt. (Luhmann (2009), S. 48ff)
[27] Dies zeigt sich nicht nur im Wortspiel Ontologie-Hantologie, sondern auch darin, dass Derrida von einer komplexen Verfassung der Zeit ausgeht. „Das eigene eines Gespensts (…) besteht darin, dass man nicht weiß, ob es, wiederkehrend, von einem ehemals Lebendigen zeugt, denn der Wiedergänger kann bereits die Wiederkehr des Gespenstes eines verheißenen Lebendigen bedeuten.“ (Derrida 2004, S. 139) „Die phänomenale Form der Welt ist selbst gespenstig. (…) Das phänomenologische Ego (Ich, Du usw.) ist ein Gespenst.“ (Derrida 2004, S. 185); „Spuken heißt nicht gegenwärtig sein, und man muß den Spuk schon in die Konstruktion eines Begriffes aufnehmen. In der Konstruktion jedes Begriffes, angefangen bei den Begriffen Sein und Zeit. Das ist es, was wir hier Hantologie nennen möchten. Die Ontologie stellt sich ihr nur in einer Bewegung des Exorzismus gegenüber. Die Ontologie ist eine Beschwörung.“ (Derrida 2004, S. 219f)
[28] Rahimi, Sadeq (2021). The Hauntology of Everyday Life. London: Palgrave Macmillan. p. 3. doi:10.1007/978-3-030-78992-3. ISBN 978-3-030-78992-3.
[29] Armstrong, Justin (2010-01-26). „On the Possibility of Spectral Ethnography“. Cultural Studies ↔ Critical Methodologies. SAGE Publications. 10 (3): 243–250. doi:10.1177/1532708609359510. ISSN 1532-7086. S2CID 144608146.
[30]Vergl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Hauntology: Jeff Ferrell und Theo Kidynis haben, aufbauend auf Armstrong, eine „Geister-Ethnographie“ entwickelt; Kindynis, Theo (2017-09-17). „Excavating ghosts: Urban exploration as graffiti archaeology“. Crime, Media, Culture. SAGE Publications. 15 (1): 25–45. doi:10.1177/1741659017730435. ISSN 1741-6590. S2CID 149232587. Die Anthropologen Martha und Bruce Lincoln unterscheiden zwischen primärem Spuk, bei dem die Heimgesuchten die Realität und Autonomie metaphysischer Entitäten in relativ unkritischer, wortgetreuer Weise anerkennen, und sekundärem Spuk, der „textuelle Reste“ der Geschichte oder als Tropen für „kollektive intrapsychische Zustände“ wie Trauma und Trauer identifiziert. Als Fallstudie dient ihnen das Beispiel des sekundären Spuks von Ba Chúc, in dem die staatlich kontrollierten Museen die Schädel der Toten und Erinnerungsstücke ausstellen, im Gegensatz zu den traditionellen vietnamesischen Bestattungsbräuchen. Demgegenüber steht der „primäre Spuk“ von Ba Chúc, die paranormale Aktivität, die an einer durch einen Baum markierten Hinrichtungsstätte auftreten soll. (Lincoln, Martha; Lincoln, Bruce (2015). „Toward a Critical Hauntology: Bare Afterlife and the Ghosts of Ba Chúc“. Comparative Studies in Society and History. Cambridge University Press (CUP). 57 (1): 191–220. doi:10.1017/s0010417514000644. ISSN 0010-4175. S2CID 147023375.)


